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Aus der aktuellen DOZ:Marktdaten für die Augenoptik: ein ÜberblickWer kennt das nicht? Ihre Geschäftsleitung beauftragt Sie, einen Überblick
über den deutschen Markt für Brillenoptik zu erstellen. Oder: Sie wollen als
Augenoptiker ein eigenes Geschäft eröffnen
und im Rahmen Ihres Businessplans
den Markt analysieren. Für Branchenneulinge
scheint dies zunächst
eine Aufgabe zu sein, die man mit
etwas Fleiß bewältigen kann; wer sich
in der Augenoptik auskennt, weiß allerdings,
dass dieses Thema schon manchen
Kollegen zur Verzweiflung gebracht
hat. Deshalb werden Veranstaltungen
wie das Branchenzahlentreffen
bei Spectaris abgehalten und gut besucht.
Die Brillenoptik ist ein Markt, für
den es kaum „offizielle“ Zahlen gibt. Es
finden sich aber diverse Quellen, die
teilweise recht widersprüchliche Informationen
liefern. Um sich im Zahlendschungel
zurechtzufinden, muss man
die Eigenarten und Erhebungsmethoden
der Datenquellen kennen und berücksichtigen.
Hier eine Auswahl der
wichtigsten Quellen für den deutschen
Markt.
Das Gfk Handelspanel Der Begriff „Handelspanel“ bedeutet in
der Marktforschung, dass eine (möglichst)
identische Gruppe repräsentativ
ausgewählter Geschäfte über einen längeren
Zeitraum wiederholt Auskunft über
Warenbewegungen meldet. Das Handelspanel
der GfK basiert auf den Daten unabhängiger
Augenoptiker (ca. 330 Geschäfte)
und denen verschiedener Filialisten,
allerdings nicht aller. Die GfK erhält Zentraldaten
von Fielmann (nur Brillenfassungen). Apollo liefert die Daten aller
eigener Geschäfte an die GfK, die Franchise-Unternehmen werden analog dazu
hochgerechnet. Außerdem liefern drei
weitere Ketten Zahlen an die GfK. Der
Markt für Brillengläser wird ohne den
Anteil von Fielmann hochgerechnet, bei
Brillenfassungen wird der Gesamtmarkt
inkl. Fielmann abgebildet. Die Daten für
die Brillenoptik werden tertialsweise veröffentlicht.
Ihr Bezug ist kostenpflichtig.
Die GfK weist den Umsatz mit Endverbraucherpreisen aus (also inkl. 19 %
MwSt.). Die dargestellten Umsatzentwicklungen
spiegeln also die reale Situation
im augenoptischen Fachhandel wieder,
lassen aber nur bedingt Rückschlüsse auf
die Umsatzentwicklung der Hersteller zu.
Rabatte etc. kann die GfK nicht berücksichtigen.
Da in der Augenoptik heute noch viele
Kunden einen Hauptlieferanten haben,
bei dem sie die Mehrzahl ihrer Brillengläser
oder schwerpunktmäßig bestimmte
Produktgruppen kaufen, führt die GfK
regelmäßig Befragungen unter den
Augenoptikern durch, um die Struktur
des Marktes so genau wie möglich über
das Panel abzubilden. Verlässt ein Augenoptiker
das Panel, muss er durch einen
möglichst strukturgleichen anderen Optiker
ersetzt werden (Umsatzgröße, Produktmix,
Hauptlieferant, Region). Je größer
die Zahl der meldenden Geschäfte ist und
je genauer die teilnehmenden Augenoptiker
der Struktur des Marktes entsprechen,
umso exakter treffen die Hochrechnungen
der GfK die Marktwirklichkeit.
Erfa Light Die Erfa-Light Zahlen, die der ZVA monatlich
veröffentlicht, basieren ebenfalls
auf den Angaben unabhängiger Augenoptiker,
die ihre Daten zur Auswertung an
die GfK senden. Anders als beim Handelspanel, werden diese Zahlen aber nicht
hochgerechnet. Die Erfa-Light Zahlen
zeigen Absatz- und Umsatzentwicklung
der teilnehmenden Augenoptiker nach
Produktgruppen, für den aktuellen Monat,
den Vorjahresmonat, kumuliert für
das aufgelaufene Jahr und im Vergleich
zum Vorjahreszeitraum. Diese Daten lassen
keine Aussagen über die Gesamtmarktentwicklung
zu, da sie nur den
Teilmarkt der meldenden, unabhängigen
Augenoptiker abbilden. Sie bieten den
Teilnehmern aber die Möglichkeit, ihren
Geschäftserfolg mit dem der Gesamtgruppe
zu vergleichen. In den Erfa-Light
Berichten werden keine Herstelleranteile
ausgewiesen.
Daten von Verbänden, Marketing-
und Einkaufsgruppen Hier gilt in der Regel das Gleiche wie für
die Erfa-Light Daten: es wird nur ein Teil
des Marktes abgebildet und es gibt deshalb
keine Hochrechnungen auf den Gesamtmarkt.
Für sich betrachtet können
diese Quellen aber als eine Art Sensor
bzw. Frühwarnsystem gelten, da sie meistens zeitnah Absatz- und Umsatzzahlen
ihrer Mitglieder ausweisen.
International Market Models Einen völlig anderen Erhebungsansatz
wählt das Institut Strategy with Vision
(SwV). Kenner des Marktes werten Sekundärmaterial
aus, besuchen die relevanten
Fachmessen, führen Gespräche mit Vertretern
aus Industrie und Handel, usw.
Aus dem gesammelten Datenmaterial
werden Marktmodelle für die wichtigsten
internationalen Märkte entwickelt. SwV
zeigt Umsatzdaten und Durchschnittspreise
abzüglich aller Rabatte, die dem
Handel gewährt werden.
Die Allensbach-Studie Dies ist die einzige Untersuchung, die
seit über 50 Jahren regelmäßig in der
Bevölkerung durchgeführt wird (ähnlich
wie die Studien von Spektra in Österreich
und Publitest in der Schweiz). Die Studie
liefert wertvolle Erkenntnisse zum Konsumentenverhalten,
eignet sich aber
nicht für detaillierte Hochrechnungen
zum Markt.
Festzuhalten bleibt: Die Datenlage in der
Augenoptik ist unübersichtlich und es
gibt keine vollständige Messung für den
Gesamtmarkt. Das hat (auch) historische
Gründe. Der Markt war bis weit in die
Mitte des vergangenen Jahrhunderts geprägt
von einer überschaubaren Anzahl
an Herstellern und wurde über die Zuschüsse
der Krankenkassen subventioniert.
Erst die Zunahme von Wettbewerbern
im Markt, die Änderungen in der
Handelsstruktur und der beginnende
Wandel der Brille vom Medizinprodukt
zur Handelsware machte es notwendig,
Größe und Struktur des Marktes regelmäßig
zu analysieren. Im Vergleich zu anderen
Branchen besteht hier noch großer
Nachholbedarf. Bis auf Weiteres bleibt es
also dabei: Jede der verfügbaren Datenquellen
hat ihre Beschränkungen und
diese gilt es bei jeder Marktanalyse zu
berücksichtigen.
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