Geschäftszahlen 2024

Jahresfehlbetrag in Rekordhöhe bei Mister Spex

Nur wenige Tagen, nachdem mit Tobias Krauss der neue CEO des Unternehmens vorgestellt wurde, hat Mister Spex nun die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr präsentiert. Beim Nettoumsatz gab es einen Rückgang um 3 Prozent und die bereinigte EBITDA-Marge lag bei -2,7 Prozent. Im Kernmarkt Deutschland verzeichnete man einen Gesamtumsatz auf Vorjahresniveau, flächenbereinigt aber gibt es ein kleines Umsatzwachstum von 2 Prozent. Dennoch liegt der Jahresfehlbetrag mit über 67 Millionen Euro auf Rekordniveau.
© Mister Spex

Mister Spex SE hat die Geschäftszahlen für das Gesamtjahr 2024 veröffentlicht. Das Jahr sei geprägt von der Umsetzung des Transformations- und Restrukturierungsprogramms „SpexFocus“ gewesen, das im August 2024 gestartet wurde, heißt es aus Berlin. Das Ziel: die Profitabilität nachhaltig steigern, eine solide Cash-Generierung langfristig sicherstellen, die Kostenstruktur straffen, das Produktportfolio optimieren und die Margenstruktur verbessern (die DOZ berichtete online und sprach mit dem damaligen Interims-Geschäftsführer im exklusiven Interview).

Der Nettoumsatz ging in 2024 um 3 Prozent auf 217 Millionen Euro zurück. Das internationale Geschäft verzeichnete einen Rückgang von 13 Prozent. Gründe hätten in der strategischen Neuausrichtung im Rahmen von „SpexFocus“ sowie die Schließung aller Stores in Österreich, Schweden und der Schweiz gelegen. Im Kernmarkt Deutschland erzielte Mister Spex indes ein flächenbereinigtes Umsatzwachstum von 2 Prozent.

Negativen Einfluss auf den Umsatz hätte die Reduzierung der Rabatte gehabt, entsprechend sei das EBITDA zurückgegangen. Die bereinigte EBITDA-Marge lag bei -2,7 % und bewegte sich damit innerhalb des (nach unten) angepassten Preiskorridors von +1 bis -4 Prozent. Der Barmittelbestand beläuft sich auf 72 Millionen Euro, der Free Cashflow auf -37 Millionen Euro. Auch wenn darin einmalige Aufwendungen in Höhe von 13 Millionen Euro im Zusammenhang mit „SpexFocus“ (Restrukturierungskosten wie Filialschließungen, Freistellungszahlungen sowie die Aufwendungen zur Marken-Repositionierung) enthalten sind, bleibt auch nach Abzug ein Minus von nahezu 25 Millionen Euro stehen.

Jahresfehlbetrag bei über 67 Millionen Euro

Dennoch sieht Mister Spex gerade in der Reduzierung der Rabattaktionen einen Hebel, um die Bruttomarge zu verbessern und das Unternehmen nachhaltig profitabel zu machen (zur Erinnerung: bislang hat Mister Spex noch in keinem Jahr einen Überschuss erwirtschaftet, siehe auch DOZ-Artikel aus 09|24 oder über nebenstehenden Teaser). Dafür scheint man in 2024 auch einen Jahresfehlbetrag in Rekordhöhe von über 67 Millionen Euro in Kauf zu nehmen. Insgesamt liegt das Minus seit 2013 damit bei über 247 Millionen Euro. Im zweiten Halbjahr 2023 habe Mister Spex neun große Rabattaktionen durchgeführt – im zweiten Halbjahr 2024 nur noch drei. Das habe zu einer Margensteigerung von rund 77 Basispunkten in der Kategorie Korrektionsbrillen geführt. Auch die Einführung der Eigenmarke für Premium-Brillengläser SpexPro (in Kooperation mit Rodenstock; siehe DOZ-Artikel aus 11|24) im September 2024 habe laut Unternehmensangaben „maßgeblich zur Margenverbesserung“ beigetragen. Im 4. Quartal 2024 entfielen rund 20 Prozent aller Bestellungen von verschreibungspflichtigen Brillen auf SpexPro. Darüber hinaus stieg der durchschnittliche Gesamtbestellwert von 159 Euro im 4. Quartal 2023 auf 205 Euro im 4. Quartal 2024, während SpexPro-Bestellungen einen AOV (Average Order Value) von über 300 Euro erzielten. Die Bruttomarge von SpexPro sei nahezu doppelt so hoch wie die der White-Label-Produkte.

Optimierungen haben man auch im Warenbestand vorgenommen und das Produktportfolio verschlankt. Das Unternehmen reduzierte die Anzahl der Marken von rund 150 auf 100 und straffte das Sortiment von 20.000 auf 12.000 SKUs. Wohl auch, weil das Online-Geschäft im Vergleich zu den stationären Umsätzen immer weiter ins Hintertreffen gerät. Der gesamte stationäre Umsatz legte um 5 Prozent zu, während online insbesondere gegen Ende des Jahres die Umsätze wegfielen. Die gezielte Reduzierung von Rabattaktionen im Sonnenbrillen-Segment habe dazu geführt, dass vor allem im Online-Geschäft die Nachfrage preissensibler Kunden zurückging.

Durch die Schließung aller internationalen Stores und die Fokussierung ausschließlich auf das Online-Geschäft außerhalb des Heimatmarktes, konnten auch am Hauptsitz Strukturen gestrafft werden. Insgesamt wurde die Mitarbeiterzahl um fast 20 Prozent reduziert
 

Prognose für 2025: Umsatzrückgang, aber höherer Bestellwert

Für 2025 erwartet Mister Spex ein weiterhin herausforderndes Einzelhandelsumfeld. Darüber hinaus würden sich Preis-Repositionierung und die Reduzierung von Discounts negativ auf das Umsatzwachstum auswirken. Dementsprechend rechnet das Unternehmen mit einem Umsatzrückgang von -5 bis -10 Prozent. Der Vorstand will vor allem nicht-profitable Umsätze weiter massiv reduzieren. Mit Beginn des neuen Geschäftsjahres 2025 setzt Mister Spex zudem EBIT als zentrale Leistungskennzahl ein, um die operative Performance klarer darzustellen, Transparenz über nachhaltige Profitabilität zu schaffen und die Grundlage für langfristige Wertschöpfung zu legen. Die EBIT-Marge werde voraussichtlich zwischen -5 und -15 Prozent liegen (2024: -35 %). Die größten Schritte erhofft sich Mister Spex durch eine Steigerung des durchschnittlichen Bestellwerts, unterstützt durch Preisanpassungen, eine optimierte Produktmix-Strategie und den Ausbau des margenstarken Brillenglas-Portfolios.